„Weideliebe“-Eis aus Ovelgönne
Florian Fabozzi, NWZ
Wie Tomma Cordes-Witting ihr Hobby zur Marke machte
Die „Sendung mit der Maus“ richtet sich bekanntlich an Kinder. Das heißt aber nicht, dass sie nicht auch Erwachsene inspirieren kann. Auf Tomma Cordes-Witting aus Oldenbrok trifft dies jedenfalls zu. Als sie im Studium in Osnabrück die Sendung schaute und einen Bericht über Eisproduktion sah, wusste sie, dass sie das auch mal machen möchte.
Abwegig war das ohnehin nie, denn Cordes-Witting ist mit ihren Geschwistern auf dem elterlichen Hof in der Hamelstraße groß geworden – umgeben von lauter Milchkühen, heute sind es derer 180. „Ich hatte immer Bock auf Direktvermarktung mit Lebensmitteln, die ich selbst verarbeitet habe“, sagt die studierte Hauswirtschaftlerin.
Weideliebe vom Familienhof
Inzwischen hat sich die heute 30-Jährige ihren Traum erfüllt. Unter dem Namen „Weideliebe“ vertreibt sie selbstgemachtes Milcheis in Bechern am Familienhof. Von klassischen bis zu ausgefallenen Sorten ist für alle Geschmäcker was dabei. In einer Tiefkühltruhe am Straßenrand können sich Interessierte selbstständig bedienen. Dazu vertreibt Cordes-Witting das Eis in vier regionalen Hofläden – und bietet Werksverkäufe von zu Hause an. „Das Tolle an der Eisproduktion ist, wie schnell man das Ergebnis seiner Arbeit in den Händen hält.“ Morgens erst gemolken, ist die Milch abends als Eis verarbeitet in der Gefriertruhe.
Marke mit Wiedererkennungswert
Um so weit zu kommen, scheute die Oldenbrokerin keine Mühe. Sie kaufte sich bei eBay eine gebrauchte Eismaschine, überraschte ihre Kommilitonen in Osnabrück mit ihren Kreationen. Sie besuchte sogar einen Speiseeis-Kurs in der Nähe von Mannheim. Man würde vermuten, dass es beim Rumprobieren auch mal Fehlschläge gab. „Aber das hielt sich in Grenzen, weil ich schnell wusste, wie man die Zutaten berechnen muss.“ So bestand das Eis bei der Eröffnung im Frühjahr 2025 auch die Geschmacksprobe der familiären „Jury“ – die „Weideliebe“-Eismanufaktur war geboren.
Aus dem Namen wurde eine Marke mit Wiedererkennungswert. So sieht man auf den Eisbechern den Kopf einer Kuh mit einem Herz auf der Stirn. Das Design stammt von der besten Freundin. „Ich finde, dass die Blesse der Kuh (die weiße Fellzeichnung im Gesicht) manchmal wie ein Herz aussieht“, sagt sie. „Das passte gut zum Namen.“
Wie das Eis entsteht
Doch wie wird aus Weidemilch Eis? Nachdem die Kühe gemolken wurden, schöpft Cordes-Witting am Vormittag die benötigte Milchmenge aus dem Tank und geht damit in die Eisküche. Dort wird die Milch in der Maschine pasteurisiert, also auf 85 Grad erhitzt. Das dauert zehn bis 15 Minuten und dient der Abtötung von Keimen. Dann kommt der Zucker: Neben normalem Zucker sind Dextrose und Glukose unverzichtbar, denn sie senken den Gefrierpunkt und verhindern Eiskristalle.
Es folgen je nach Sorte die Geschmacksträger – etwa Haselnuss, Cordes-Wittings Lieblingssorte. Früchte wie Heidel- und Erdbeeren werden per Pürierstab zerkleinert. Cordes-Witting versucht alle Zutaten hochwertig und lokal zu beziehen. Der Joghurt etwa kommt vom Diershof in Oldenburg. Schließlich braucht das Eis Verdickungsmittel: Guarkernmehl und Johannisbrotkernmehl sorgen für die Cremigkeit. Die Gefriertrommel verwandelt die flüssige Masse in Speiseeis. Auch das dauert etwa 15 Minuten. Per Abfüllmaschine kommt das Eis dann in die Becher. Zweimal in der Woche produziert sie auf diese Weise.
Vielfältige Kreationen
Die richtige Konsistenz hinzubekommen – das ist das Schwierigste beim Eismachen, erklärt Cordes-Witting. „Wenn man zu viel Verdickungsmittel nimmt, wird es klumpig und klebrig.“ Selbst Mutter Antje, ihres Zeichens Hauswirtschaftsmeisterin und Ausbilderin, sagt: „An Eis wage ich mich nicht heran. Das ist eine Kunst für sich.“ Unterstützen kann die Familie trotzdem. „Mein Papa mäht den Platz am Eisstand, macht mich auf Veranstaltungen aufmerksam und sieht, wenn die Eistruhe aufgefüllt werden muss.“
Neben Klassikern wie Schokolade, Vanille und Stracciatella bietet sie auch saisonale Sorten an wie Zimt-Pflaume zur Weihnachtszeit oder Spezialsorten wie Spaghetti-Eis. Neu im Sortiment sind „Salziges Karamell“ und Cookies (hier heißt es: Kuh-kies). Dazu die Sorte „Weideliebe“ – weiße Schokolade mit Himbeeren und Matcha. „Matcha schmeckt grasig und milchig, das passt zu meiner Weideliebe“, sagt Cordes-Witting augenzwinkernd.
Die Ziele für die Zukunft
Cordes-Witting selbst wohnt nicht auf dem Hof der Eltern, sondern ein paar Häuser weiter, wo sie Werksverkäufe anbietet. „Manche Menschen kommen mit Tiefkühltaschen und kaufen auf Vorrat ein“, sagt sie. „Das ist eine schöne Bestätigung.“ Zu den Hofläden, die sie beliefert, gehört Büsing in Elsfleth. „Dort merkte ich besonders, dass die Verkäufe dieses Jahr explodiert sind.“ Auch bei landwirtschaftlichen Veranstaltungen wie dem Herbstmarkt in Brake ist sie oft mit Eiswagen vor Ort.
Da die Eisproduktion kein günstiges Vergnügen ist, arbeitet Tomma Cordes-Witting nebenher bei der Landwirtschaftskammer. Nach der Geburt ihres Sohnes vor vier Monaten ist sie nun aber zwei Jahre lang in Elternzeit. Das gibt ihr Zeit, den Eisbetrieb weiter auszubauen. Ihr Ziel ist die Produktion noch effizienter zu machen und die Lagerkapazität zu erhöhen. „Und sonst hoffe ich nur, dass nichts kaputtgeht.“ Und wer weiß, vielleicht wird aus dem Selbstbedienungsstand bald eine richtige Eisdiele.

